"Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden." (Edward Hoagland)

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Das Problem Hundebegegnung...

Für viele Hunde scheint es unmöglich, an der Leine mit Ruhe einem Artgenossen zu begegnen. Auf große Distanzen wird der „Feind“ bereits als solcher erkannt und nicht mehr aus den Augen gelassen. Wird die Distanz weiter verringert, hängt der sonst so ruhige Vierbeiner mit aller Kraft in der Leine und verkündet lautstark seinen Unmut. Für den betroffenen Hundehalter ein großes Problem. Zum einen ist es gar nicht so einfach - abhängig von Größe und Gewicht – den Hund weiterhin an der Leine zu halten. Zum anderen zieht man in solchen Situationen ungewollt die Aufmerksamkeit der anderen Passanten auf sich. Der ganze Hund wird von den Mitmenschen auf diese eine Situation reduziert. Der Druck beim Hundehalter steigt, dieses Verhalten abzustellen.

Aber woher kommt dieses Verhalten eigentlich?

Schließlich hat der fürsorgliche Hundehalter in bester Absicht, von Anfang an darauf geachtet, dass der junge Hund bei Spaziergängen ausreichend soziale Kontakte zu Artgenossen pflegen kann.

Genau hier liegt unserer Auffassung nach der Ursprung dieses unerwünschten Verhaltens.

Der eigene Hund lernt, sich um entgegenkommende Hunde zu kümmern. Schließlich schickt der Mensch seinen Hund in den Kontakt. In den meisten Fällen lernt der Hund zudem, dass er im Falle einer Hundebegegnung von seinem Menschen keine Hilfe, noch viel weniger Schutz erwarten kann. Teils sehen die Hundehalter häufig noch entzückt zu, wie ein Hund den anderen über die Wiese jagt, statt einzugreifen. Sucht der junge Hund bei seinem Menschen Schutz um Kraft zu tanken, wird er häufig noch mit der Aufforderung „geh spielen“ wieder weggeschickt. Allerdings muss nicht jeder Hundekontakt unterwegs schlecht sein. Nur werden Anzeichen eines ungünstigen Kontaktes aus Unwissenheit häufig nicht erkannt. Auch führt nicht jede Hundebegegnung automatisch zu einem sozialen Kontakt. Will der Mensch eine Kontaktaufnahme vermeiden, steigt nicht selten das Energielevel des Menschen deutlich an. Schließlich zieht der Hund in Richtung des entgegenkommenden Hundes. Ist dies nicht erwünscht, wird die Stimme barsch, es wird an der Leine gezerrt und geruckt, schließlich soll der Hund einfach an dem entgegenkommenden Hund vorbeigehen. Der Hund assoziiert, dass eine Hundebegegnung beim Menschen Stress auslöst. Und weil der Hund uns gegenüber wohlwollend ist und unterstützen möchte, werden entgegenkommende Hunde künftig von vornherein lautstark informiert, dass sie bloß fernbleiben sollen.

Ebenso kommt es vor, dass der Hundehalter Hundebegegnungen an der Leine zu lässt. Entweder, weil der junge Hund noch nicht abrufbar ist, oder weil es die örtlichen Gegebenheiten nicht zulassen. Das führt nicht selten zu Chaos. Die Leinen verheddern sich, wickeln sich um die Beine der Hundehalter und Hektik entsteht. Der Hund lernt dabei etwas Entscheidendes. Wenn er an der Leine ist, kann er nicht weg. Er kann nicht hündisch kommunizieren (Bogen laufen/umkreisen), weil die Leine seinen Handlungsspielraum beschränkt. Und noch viel wichtiger, der Mensch kann dem Hund bei einem entgegenkommenden Hund keinen Schutz bieten. Welchen Grund sollte der Hund haben, sich vertrauensvoll hinter seinen Menschen zu stellen und ihm die Führung zu überlassen? Schließlich wurde dem Hund mehr als einmal verdeutlicht, dass sein Mensch gar nicht in der Lage ist, sichere Entscheidungen zu treffen und dass der Hund handeln muss. So entstehen im Alltag unbewusst Missverständnisse zwischen Mensch und Hund.

Erste-Hilfe-Maßnahme bei beginnender oder bestehender Aggression bei Hundebegegnungen:

- Distanz schaffen - auf Feld und Wiese ausweichen und maximale Entfernung zwischen die begegnenden Mensch-Hunde-Teams bringen

- Umdrehen - ist es nicht möglich auszuweichen, tut der Hundehalter gut daran umzudrehen und sich und seinen Hund nicht einer unkontrollierbaren Hundebegegnung auszusetzen

Und zu guter Letzt, natürlich…
- Hundetrainer aufsuchen

Eure Erika (Co-Trainierin Von Tier zu Dir)