"Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden." (Edward Hoagland)

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Der jagende Hund...

Der ein oder andere Hundehalter wird sich vermutlich in folgendem Szenario wiederfinden.

Der Hund sieht einen Hasen oder ein Reh, reagiert nicht auf den gut konditionierten Rückruf und verschwindet am Horizont. Der betroffene Halter bleibt machtlos zurück, in der Hoffnung, der Hund möge das Tier nicht erwischen. Bilder eines Jägers, der den Hund erschießt, drängen sich vor unser geistiges Auge, gefolgt von Bildern eines Autos, welches mit unserem Hund in vollem Lauf kollidiert.

Wie kommt es dazu, dass gut konditionierte Kommandos hier ihre Wirkung verlieren? Dazu muss ich etwas weiter ausholen.

Zu Beginn des Spaziergangs lässt sich beim Hund bereits eine deutliche Steigerung des Erregungszustandes feststellen. Der Hund sieht die Leine und hüpft freudig im Flur auf und ab und kann es gar nicht erwarten. Draußen gibt es schließlich viel zu entdecken. Sein Erregungslevel ist im Vergleich zu seinem Ruhelevel bereits deutlich gestiegen.

Unterwegs strömen sehr viele Reize auf den Hund ein. Oftmals mehr als der Hund in der selben Zeit verarbeiten kann. Verschiedene Fahrzeuge, Menschen, Artgenossen, Katzen, Vögel, Gerüche, Pinkelmarken und noch vieles mehr. Nochmal steigt sein Erregungslevel an. Startet man von zu Hause meist noch mit Leine, wird diese im Laufe des Spaziergangs abgemacht und der Hund geht gezielt auf Spurensuche. Sind seine Bewegungen nicht mehr langsam und weich, sondern schnell, angespannt und ungerichtet, durchläuft der Hund bereits die erste Sequenz der Jagd – die Orientierung. Das Erregungslevel steigt weiter. Zu diesem Zeitpunkt sind viele Hunde bereits nicht mehr ansprechbar. Kreuzt jetzt noch Wild den Weg des Hundes, fliegen bei ihm die letzten Sicherungen und er sprintet los.
Ist der Hund erst bei der Hatz, ist es fast unmöglich ihn noch verbal zu erreichen. Die Rufe seines Menschen nimmt er vermutlich nicht einmal mehr war. Der Hund ist vollständig in seinem Trieb gefangen und hat nur noch ein Ziel: Das flüchtende Wild zu erwischen. 
Dabei erhält der jagende Hund einen Hormon-Cocktail, der es in sich hat. Dopamin, Adrenalin und Serotonin wirken euphorisierend auf den Hund ein. Für diesen Cocktail an Happy-Hormonen ist es nicht erforderlich, dass es letztendlich zur Beuteergreifung kommt. Die Jagd an sich ist bereits selbstbelohnend.
Die bei der Jagd freigesetzten Hormone bescheren dem Hund absolute Hochstimmung, sorgen zudem für ein herabgesetztes Schmerzempfinden und führen zur Ausblendung weiterer Umweltreize. So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass der Hund während einer Jagdsequenz seinen Halter nicht mehr wahrnehmen kann. 
Durch die stufenweise Erhöhung des Erregungslevels war der Hund bei Wildsichtung bereits kaum oder nicht mehr ansprechbar.

Folgende Jagdelemente sind zu beobachten:

- orientieren
- fixieren
- anschleichen
- hetzen
- packen
- töten
- (wegtragen)
- fressen

Durch Zucht und Selektion sind bei Haushunden einzelne Jagdsequenzen unterschiedlich intensiv ausgeprägt.

Mehr zum Thema „Der jagende Hund“ gibt es demnächst

Eure Erika (Co-Trainerin Von Tier zu Dir)

Henry