"Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen. Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden." (Edward Hoagland)

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Der jagende Hund (Teil 3)
 
Jagen muss man unseren Hunden nicht beibringen. Diese Fähigkeit dient dem Nahrungserwerb und ist zur Existenzsicherung bereits genetisch fixiert. Hunde sind unterschiedlich jagdmotiviert. Durch Selektion bei der Zucht, sind einige Rassen stärker jagdorientiert als andere. Aber auch innerhalb eine Rasse lassen sich deutliche Unterschiede erkennen. Nicht nur die Vererbung spielt eine große Rolle, sondern ebenso erlerntes Verhalten. Also die Erfahrung die der Hund im Laufe seiner Entwicklung macht. Nehmen wir folgendes Beispiel: Das Jagen von Schmetterlingen. Ich kann wirklich jeden Hundehalter verstehen, der entzückt zusieht wie sein - noch tollpatschiger - Welpe versucht den Schmetterling zu fangen. Ebenso sind im Garten oder beim Spaziergang Vögel ein beliebtes Jagdobjekt. Grund für den Hundehalter einzugreifen gibt es meist nicht. Schließlich ist die Chance das Tier zu erwischen gering. 
Betrachten wir diese Situation mal genauer. Als erstes sieht der Hund den Reiz - in diesem Fall Schmetterling oder Vogel - und trifft “eigenständig“ die Entscheidung sich von seinem Menschen zu entfernen und jagen zu gehen. Ihr habt richtig gelesen. Das ist bereits jagen! Und - wie in meinem Beitrag von gestern zu lesen war - ist es hierbei nicht entscheidend ob er die begehrte Beute letztendlich erwischt. Bereits diese Sequenz beschert dem Hund eine Ausschüttung diverser Hormone und dementsprechendes Glücksgefühl.
Trifft man beim Spaziergang auf Wild, passiert etwas für den Hund völlig Unlogisches. Sein Mensch kommt urplötzlich auf die Idee, bei Wild Mitspracherecht einzufordern!!! 
Ich glaube im Gesamtbild betrachtet, ist jedem von euch klar, warum das so nicht funktionieren kann.
Zusätzlich gefördert wird das Jagdverhalten durch unkontrollierte Ballspiele. Fast jeder Hundehalter lastet seinen Hund über diese Form der Beschäftigung mehr oder weniger aus. Über große Distanzen - häufig erreicht durch spezielle Ballschleudern - hetzt der Hund der geworfenen Beute hinterher. 
Nun will ich Ballspiele nicht per se schlecht reden, aber betrachtet bitte dieses Spiel mal genauer. Der Hund trifft die Entscheidung einem Bewegungsreiz hinterher zu hetzen. Eine Absprache mit dem Menschen über die weitere Vorgehensweise findet in der Regel nicht statt. Hier werden dem Hund Kompetenzen zugestanden, die er bei Wildsichtung wieder abgeben soll. 
Ich empfehle euch, erst ein stabiles Grundgerüst aus Vertrauen, Führung und Gehorsam aufzubauen und dann solche Spiele einzuführen. 
Wieso nicht den Ball auch als Trainingsgegenstand nutzen und den Hund dahingehend schulen, Bewegungsreizen zu widerstehen?
Eure Erika (Co-Trainerin Von Tier zu dir)